Ökonomie  2                                                                                                     2011                                                                       

                                               

Zukunftsvisionen

 

Jeremy Rifkin, Gründer der Fundation on Ökonomik Trends in Washington,

US amerikanischer Soziologe, Ökonom, Publizist schreibt  u.a.

„Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft“ 

Es werden bald Maschinen mit Maschinen reden.

Die billigsten Arbeits-Dienstleister werden nicht so günstig sein wie kreative, kommunizierende Maschinen.

Es wird nur noch ein Bruchteil der jetzigen Arbeitnehmerschaft beschäftigt sein.

Die intelligente Technologie ist die Arbeitskraft der Zukunft. Das verbleibende Personal ist

elitär und zahlenmäßig begrenzt.

Diese Zukunftsperspektive ist in der Richtung unaufhaltsam.

 

Acces (Zugang)

Mit diesem Begriff beschäftigt sich J.R. unter dem Einfluss der Globalisierung auf die kulturelle Identität und warnt vor der vollständigen Ökominisierung

unseres Lebens. Kernthese: „ Das Industriezeitalter sei endgültig vorüber.“ Der Kapitalismus ändert sich radikal.

 

Ein anderer Artikel von J.R. bezieht sich auf:

„Das Informationszeitalter rottet die Arbeit aus.“

Millionen Arbeitsplätze sind bereits durch die zunehmende Automatisierung und neue Technologien vernichtet worden. Die anhaltenden Wellen betriebstechnischer Umstruktu-

rierungen beschleunigen diesen Prozess. Beschäftigte im einfachen Dienstleistungsbereich bis zu Managern der mittleren Ebene werden nicht mehr gebraucht. Neue computerisierte

Technologien ermöglichen einen Ersatz für den menschlichen Geist. Die Zeiten sind vorbei, dass technologischer Fortschritt und gesteigerte Produktivität neue Arbeit schafft, sie werden durch diesen Prozess eher abgeschafft. Das Informationszeitalter wird die stupide Massenbeschäftigung abschaffen, angefangen immer in den hoch industrialisierten Ländern, zu denen selbstverständlich auch Deutschland gehört.

Seine These: „ Die Globalisierung hat versagt.“

„Weil sie zu viel Geld von unten nach oben verteilt hat. Die 356 reichsten Familien besitzen heute  40% des Reichtums der Menschheit. Diese Entwicklung führt uns in den Abgrund. Wenn die Unternehmen die Löhne immer weiter drücken, wird irgendwann niemand mehr die Produkte kaufen. Was wir brauchen, das ist eine Re-Globalisierung, bei der die Bedürfnisse der Bevölkerung im Vordergrund stehen und nicht der Profit einiger Weniger.

Der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft: Die Eine ist eine Welt in Massenarmut und Chaos. Die Andere ist eine Gesellschaft, in der sich die    „von der Arbeit befreiten Menschen“  individuell entfalten können.“

 

 Hier irrt J. Rifkin  -  laut  G.W.F.Hegel und K.Marx ist Arbeit ein Grundbedürfnis des Menschen. Lediglich die Verfremdung von Arbeit durch die Produktion von aufoktrorierten

Bedürfnissen sowie die Profitverwertung, siehe (K.Marx-Mehrwerttheorie- Das Kapital), sind zu verändern. Es kommt also darauf an, wie Arbeit definiert wird.

 

Weitere Rifkin Analyse :  „Das Verschwinden des Eigentums -  Der Kapitalismus ändert sich radikal. -  Nicht mehr das Eigentum von Boden, Kapital und Gütern ist entscheidend, sondern der  Zugang zum Wissen und die Teilhabe an den kommerzialisierten Kultur- und Erlebnisräumen.  Durch die „Digitale Revolution“ wird die Arbeit nach kapitalistischer  Vorgehensweise langfristig verschwinden.  Die Digitale Informationsgemeinschaft hat das Potential zur Überwindung des Kapitalismus.

Die tragenden gesellschaftlichen Probleme seien nicht mehr durch den kapitalistischen Produktionsprozess zu begreifen, sondern durch dessen Verfall, durch die kapitalistischen Krisen und deren Mechanismen: (Marktsättigung, Spekulation, Arbeitslosigkeit, Bankenkrise)  

Die mikroelektronische „Dritte Industrielle Revolution“ wird durch seinen enormen Produktivitätsschub das kapitalistische System in sich selbst zerstören.“

 

H.H:  Die Unternehmen reduzieren lieber ihre Belegschaften, statt die Arbeitszeit zu kürzen. Wenn aber die technische Revolution den Menschen dienen soll, dann sollte man die nur profitorientierte und nicht dem Gemeinwohl unterstellte Liberale Marktwirtschaft baldigst ändern. Das Spannungsfeld Markt und Staat wird den neuen Herausforderungen des neuen Zeitalters immer weniger gerecht, denn - Nutznießer der Automation sind nur die Unternehmen. Die Automation erzeugt gewaltige Produktivkräfte in einer ökonomischen Dimension, die es noch nie gegeben hat. Eine Umverteilung muss stattfinden -

eine staatliche Intervention in Form einer Maschinen- bzw. Automationssteuer. Wertabschöpfung findet nicht statt. Reiche, Banken und Vermögensteuer bleiben unangetastet.  Die Folge: Länder und Kommunen bluten aus, weil die Sozialausgaben und Transferleistungen für wegrationalisierte Arbeitsplätze  ( Hartz 4, Leih- und Zeitarbeit, Dumpinglöhne)  mit staatlicher Aufstockung bald nicht mehr zu finanzieren sind.

Eine Lösung, eine Alternative wäre eine entsprechende Wertabschöpfung, die es ermöglicht, im gemeinnützigen Bereich eine 3.Säule zwischen Markt und Staat zu installieren.

Es wäre eine ganz neue, moralisch humanistische Denkweise vom Wesen der Arbeit und der Gesellschaft.

 

 Der Wirtschaftswissenschaftler Wassily Leontief warnt, „dass durch die Einführung immer leistungsfähigerer Computer die Bedeutung des Menschen als des wichtigsten Produktions-faktors in der gleichen Weise schwinden wird, wie die Bedeutung des Pferdes in der Landwirtschaft. Sie sind für die Produktion überflüssig, so auch die Menschen, sie werden nicht mehr gebraucht. Was geschieht nun mit den „arbeitsfreienMenschen“ deren Arbeitskraft im herkömmlichen Sinne nicht mehr benötigt wird ?

 

Der Sozialphilosoph und Ökonom Andre Gorz schreibt dazu in seinem: „Beitrag zur politischen  Ökonomie“ (2009)  eine Zustandsbeschreibung. Eine Antwort, was mit den „arbeitsfreien Menschen“ geschieht, ist hier nicht gegeben:  

Die Istsituation:

Immer effektivere Automaten produzieren immer größere Warenmengen und brauchen dazu immer weniger Arbeiter. Im Kapitalismus muss der Konsum ständig wachsen bis hin zur  „Wegwerfgesellschaft.“ Der Wert von Waren sinkt. Profite werden durch Wecken von Bedürfnissen und Wünschen, außer den lebens-notwendigen Gütern,  künstlich (werbestrategisch) erzeugt. Immer neue Moden suggerieren ein Veralten von Produkten. Es müssen immer mehr Wachstumsfelder gefunden werden. Es ist die Diktatur über die Bedürfnisse, das heißt : nicht was wir brauchen sollen wir kaufen, sondern das, was man uns suggeriert. Diese Ökonomie bewirkt einen gesellschaftlichen Entfremdungsprozess. Der Mensch ist,  aber muss nicht Erfüllungsgehilfe dieser manipulierten kapitalistischen Megamaschine sein.   

 

 Soziales Gefälle

 

Einkommensentwicklung – 09.Mai 2011 – Hbg. Abendblatt

Dr. M.Hartmann, Professor für Soziologie, T:U. Darmstadt

„30 Prozent der Bevölkerung besitzen über 90 Prozent des Vermögens.

Die Reichsten 10 Prozent verfügen über 60Prozent des Vermögens, bzw. die 10 reichsten deutschen Familien besitzen zusammen ein Vermögen von 90 Milliarden Euro. In der Einkommensentwicklung der letzten 10 Jahre hat sich die Kluft zwischen oben und unten

deutlich vertieft. Der Abstand zwischen dem Oberen und dem unteren Fünftel der Bevölkerung hat sich so schnell vergrößert, wie in kaum einem anderen Land Europas.  

Deutschland steht mit seinem Privatvermögen an zweiter Stelle international gleich nach Amerika.“

 

Lobbyismus – Der Staat dankt ab.

Kapital und Politik geben sich als elitäre Einheit. Der Einfluss der Lobbyisten auf Gesetzgebung und Verwaltung ist enorm. Teilweise werden vollständige Gesetzentwürfe von Anwaltskanzleien gefertigt, oder Experten aus der Wirtschaft mit bestimmten Interessen platziert (z.B. Pharma, Rüstung, Automobilbranche). Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern, Staatssekretären und Ministerpräsidenten, die nach ihrem Abtritt, z.B. Roland Koch, der an die Spitze eines großen deutschen Konzerns ging, oder der Leiter der Steuerabteilung bei Bayer, später Staatssekretär, der Herr Zitzelsberger. Er beriet den ehemaligen SPD Finanzminister Hans Eichel in der großen Finanzreform mit dem Ergebnis der deutlichen Senkung des Spitzensteuersatzes und der Unternehmenssteuer. Mit ihrem Wissen verdingen sie sich als Lobbyisten, vertreten die Konzerne. Sie kommen, oder gehen in die Wirtschaft.

Politik ist durchsetzt von Wirtschaftslobbyismus. Wahlen sind eine Farce, es sind nur noch Medienevents. Die Wahlbeteiligung geht seit Jahren zurück. Die Politikverdrossenheit resultiert aus der Erkenntnis der Bürger, wenig Einfluss durch Wahlen zu erreichen.   

 

Agenda 2010

Allen voran Altkanzler G.Schröder, der die Agenda 2010 am 14.März 2003 mit seinen Wirtschafts-lobbyisten verkündete, und nun zum Kanzler der Bosse mutierte. Vor der Verkündigung wurden die Gegner seiner Partei gegen die Reform, allen voran sein Finanzminister Oskar Lafontaine bedrängt, auf die neue Linie einzuschwenken.

O.Lafontaine weigerte sich, diese arbeitnehmerfeindliche Reform mitzutragen.

Peter Hombach, Chef des Bundeskanzleramts, eingesetzt für besondere Aufgaben, war ein konsequenter Gegner des noch amtierenden Finanzministers O.L.  Das Intrigenspiel begann.

März 1999 - Lafontaine tritt zurück. Sein Austritt aus der SPD war somit konsequent. Er ist seinen Prinzipien der ehemaligen SPD treu geblieben. Er ging auch nicht in die Wirtschaft. Er wurde Mitbegründer der heutigen Die Linke. Sofortiger Nachfolger war am 12.04.99 der neue Finanzminister Hans Eichel zur Durchsetzung der Reform.

Peter Hartz war Anfang 2002 Beauftragter der Bundesregierung. Die „Hartz Kommission“ wurde zur Entwicklung der Reformen (u.a.Hartz 2-4 ) am Arbeitsmarkt und der Arbeitslosenregelung gegründet. Heute versucht die SPD zurück zu rudern. Sie versucht in einigen Bereichen ihr Arbeitnehmer- und Arbeitslosenprogramm auf Druck ihrer eigenen Genossen etwas abzumildern. P. Hartz wurde im Jahr 2007, nunmehr im Aufsichtsrat von VW, wegen Untreue und Begünstigung verurteilt und gilt als vorbestraft.

Schröders Amtsnachfolgerin, Frau Bundeskanzlerin A.Merkel bedankte sich in einer Rede am 30.11.2005 persönlich für die von ihm initiierte Agenda 2010.

Hätte damals die CDU als Regierungspartei die Agenda 2010 ausgerufen, dann hätte die SPD

im Einvernehmen mit den Gewerkschaften bestimmt zu einem Generalstreik aufgerufen. Als Quittung für dieses arbeitnehmerfeindliche Verhalten haben viele SPD Genossen ihre Partei verlassen. Ein beträchtlicher Teil ging zu den Linken.  

 

Exkurs Arbeit

Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Philosoph, definiert - Arbeit als Selbstbewusstwerdung:

„Arbeit steht in gleichwertiger Bedeutung von Muße und Besinnung im menschlichen Dasein und auch zur Befreiung des Menschen durch Arbeit“.

K. Marx, F.Engels sowie Feuerbach berufen sich auf die Hegelsche Philosophie.

 

K. Marx – Definition Arbeit:

Arbeit ist materiell, sie sichert menschliche materielle Bedürfnisse. - Arbeit ist die Veränderung der Natur und des Menschen. - Der Mensch arbeitet als Antwort auf menschliche Bedürfnisse. - Arbeit ist eine soziale, schöpferische, kreative Tätigkeit.

 

K. Marx – Entfremdung

K. Marx glaubte an eine innere Verbindung zwischen Arbeit und menschlicher Natur. Der Kapitalismus hat diese Verbindung zerstört. K.M. nennt das „Entfremdung“.

Im Kapitalismus ist Arbeit nicht mehr dem Menschen eigen, stattdessen ist der Mensch seiner Arbeit entfremdet worden und damit seiner menschlichen Natur.

Um zu überleben, sind die Arbeiter gezwungen, ihre Arbeitszeit zu verkaufen. Das ist die soziologische Basis der Verfremdung. Im Kapitalismus produziert der Arbeiter nicht nach seinen Ideen, oder um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Sie arbeiten für den Unternehmer, der die Produktion vorgibt. Dadurch entsteht die Entfremdung von den Produkten. Wer das Produkt haben will, der muss es kaufen, egal, in welcher Lage er ist. Arbeiter werden von ihrem menschlichen Potential entfremdet. Anstatt, dass Arbeit eine Vollendung der menschlichen Natur wäre, schöpferisches, kreatives, eigenes zu gestalten, fühlt sich der Mensch entfremdet durch Arbeit. Eine Arbeit, mit der er sich selbst nicht identifiziert.

  

                                                                          

Historischer Materialismus

K. Marx entwickelte nach der „Grundsatzphilosophie Arbeit“ die Abhandlung des „Historischen Materialismus. Der Historische Materialismus wahr und ist prozesshaft: es war die Stammesgesellschaft, dann kam die Feudalgesellschaft, weiter die kapitalistische Gesellschaft. Danach käme Marxens  „klassenlose sozialistische Gesellschaft.“  Jedoch, es kam anders:

 

Der „Reale Sozialismus“

hat die  kapitalistische Gesellschaft nicht abgelöst.  Er ist implodiert. Er hat nur einen Teil der Menschen mitgenommen. Wer dagegen war, der wurde verurteilt, inhaftiert, getötet.  Das war die Perversion des sogenannten, aber nicht wahren Sozialismus.

 

 

K. Marx  -   Mehrwerttheorie ( Das Kapital, 1867, Band1)  Wie entsteht Profit?

Definiert den relativen Mehrwert: Was verändert, das wäre nicht die Länge des Arbeitstages, sondern seine Teilung in notwendige Arbeit (Maschinen und Lohnkosten, Steuerabgaben).

Und nachfolgender Mehrarbeit, oder durch Verlängerung des Arbeitstages produzierter Mehrwert nennt Marx den „absoluten Mehrwert“. Den Mehrwert aber, der aus Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit und entsprechender Veränderung im Größenverhältnis der beiden  Bestandteile (Teilung in notwendige Arbeit und Mehrarbeit) des Arbeitstages entspringt, das ist der relative Mehrwert.

 

K. Marx – Kompensationstheorie

„Der Prozess der durch Maschinen verdrängten Arbeiter.“

 

Der „Reale Kapitalismus“, Die „Liberale Marktwirtschaft“.

 

Das kapitalistische Tollhaus hat noch mehr zu bieten. Es ist der Ritt auf der Rasierklinge.

Die internationalen Börsenspekulanten haben die Weltwirtschaft ins Wanken gebracht. Welch ein Wahnsinn, zumal man davon ausgehen muss, dass diese Handlungsweisen völlig legal sind. Sie sind Bestandteil der Liberalen Marktwirtschaft.   

Das globale Profitstreben der Banken und Wirtschaftskonzerne hat eine Form angenommen,

die weltweit schwersten Schaden verursacht hat. Die Finanzbranche mit ihren hemmungslosen globalen Spekulationsstrategien haben ganze Länder fast in den Ruin getrieben. Diese systemisch kriminellen Handlungen gehen weiterhin unbehindert ihren Weg.

Für diesen internationalen Volksschaden gibt es keine Verurteilungen oder Verbote, sondern staatliche Hilfen und Unterstützung in Form von staatlichen Stützprogrammen, bezahlt von den Steuerzahlern, anstatt einer Finanzsteuer, bzw. eine Regresspflicht der Verursacher, um wenigstens einen Teil wieder zurück zu bekommen.

Die Reihenfolge aus der Immobilienkrise 2008: -  Bankenkrise, Finanzmarktkrise, Staatsschuldenkrise, Währung und Schuldenkrise in USA, Irland, Portugal, Spanien und Griechenland. In einigen Ländern spricht man schon von Staatsbankrott. In diesen betroffenen Ländern gehen die Menschen hunderttausendfach auf die Straße, weil sie nicht für das Versagen des Finanzsystems bezahlen wollen.

Keine dieser Krisen sind nachhaltig gelöst. Die Finanzkrise, verursacht durch Banken und Politiker, ist der größte Betrugsskandal, den die Welt je gesehen hat, und die Verantwortlichen kommen ungestraft davon.

Es ist irre, in welch kurzer Zeit hunderte von Milliarden international zur Rettung des Euros bereitgestellt werden, ohne dass das Prinzip der Verursachung beseitigt ist. Verursachungsbeseitigung geht natürlich nicht. Es ist systemisch. Es ist Bestandteil der globalen  „Liberalen Bank und Marktwirtschaft“.

 

Dazu schreibt der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, W. Gerke -14.03.2011 -  Verlierer ist der Steuerzahler.

„Die Verlierer sind eindeutig die deutschen Steuerzahler. Sie tragen die negativen Konsequenzen für die Misswirtschaft im Eurobereich und müssen am Ende möglicherweise die gigantischen Summen bezahlen.

Gewinner sind die Finanzinstitutionen.

Die milliardenschweren Aufstockungen sind vor allem eine Rettungsaktion für die europäische Finanzwirtschaft. Der Staat übernimmt Aufgaben, die eigentlich von den Gläubigern getragen werden müssen. Banken, Versicherungen und Hedgefonds haben über Jahre prächtig mit Staatsanleihen verdient. Wenn es jetzt zu Ausfällen kommt, stehen nicht die Finanzinstitute gerade, sondern die Steuerzahler. Wir Steuerzahler sitzen auf einem Pulverfass. Damit das nicht passiert, müssen die Investoren in die Pflicht genommen werden, für die Verluste ihrer Anlagen gerade stehen“.  Das ist bis jetzt nicht passiert, anscheinend auch nicht vorgesehen. Es ist nicht zu glauben, jedoch systemisch: Die großen Privatbanken machen weiter mit ihren Spekulationsgeschäften ohne Haftung. Sie machen schon wieder sagenhafte Gewinne mit Luftgeschäften. 90% werden nur mit Spekulation erwirtschaftet.

 

Ein weiteres mafiöses Verhalten ergibt sich aus der Spekulation mit Rohstoffen, z.B. mit Agrarprodukten. Das geht so:   Die Banken handeln mit sogenannten Derivaten.

Das ergibt ein Vielfaches des tatsächlichen Warenwertes,  z.B.  ein einziger Händler kauft den gesamten verfügbaren Kakao auf. Er zahlt dafür keinen einzigen Cent. Immer noch ohne Eigeninvestition verkauft er das Produkt mit erheblichem Gewinn. Diese Machenschaften sind ein Eckpfeiler der Liberalen Marktwirtschaft .  Diese  kriminellen Handlungen werden weitergehen.  Toll, auf wessen Kosten?

 

Soziale Ungleichheit

Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt.

Die Anzahl der Millionäre und Milliardäre steigt an.

Der Reichtum der Wenigen steht im krassen Gegensatz zu den vielen in Deutschland, die trotz

Vollzeitbeschäftigung Hungerlöhne bekommen und auf staatliche Hilfe angewiesen sind.  Leiharbeit und befristete Verträge nehmen zu. Im Mai 2011 bekommen 1,34 Millionen Arbeitnehmer Transferleistungen.

Wer Arbeit sucht, macht zunächst Praktika, natürlich unbezahlt, dann ein Job als „freier“ Mitarbeiter und bekommt am Ende mit Glück eine befristete Festanstellung. So sieht es für Arbeitssuchende aus. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) stellte fest: Nur noch 60% haben ein Normalarbeitsverhältnis.

Befristete Verträge sind gestiegen. Jede 2.Neueinstellung erfolgt heute auf Zeit, vor 10 Jahren war es lediglich jede dritte.  Leiharbeiter haben sich von Mitte der 90er von 180.000 auf 800.000 im vergangenen Jahr erhöht. Die Beschäftigungszeit der Leiharbeiter ist sehr kurz. Mehr als die Hälfte der Jobs dauert nicht einmal mehr  als 3 Monate. Zugleich verdienen Zeitarbeiter trotz gleicher Arbeit bis zu 42% weniger als die Stammbelegschaft. Diese Betroffenen können keine vernünftige Zukunft bzw. Familienplanung gestalten.

Bei diesen „Wanderarbeitern“ ist Mindestrente vorprogrammiert. Auch hier müssen die Menschen wieder Transferleistungen in Anspruch nehmen.   -  Welch ein Teufelskreis in Armut.   

Harald Hinsch

(c) hhla.de/hamburger-Fotoarchiv.de

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