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Harald Hinsch

 

Schule              Hintergründe, Analysen, Alternativen                                                   2007                                                                                                         Definition   Lernbehinderung

 

Lernbehinderung definiert sich als „das Phänomen der schwerwiegenden, umfänglichen und langdauernden Beeinträchtigung von Lernprozessen eines Menschen, zutiefst verbunden mit deutlich normabweichenden Leistungs- und Verhaltensformen“ (Böhm 1994, S.441)

Allerdings stellt Lernbehinderung einen problematischen und umstrittenen, weil ungenauen Begriff dar, da präzise medizinische, psychologische und soziologische Bestimmungsmerkmale fehlen.

Früher wurde Lernbehinderung ausschließlich mit mangelnder Intelligenz und Begabung gleichgesetzt, d.h. als angeborene Tatsache angesehen, während man heute davon ausgeht, dass Lernbehinderung durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren wie psychosoziale Beeinträchtigungen, Sozialisationsdefizite und soziokulturelle Belastungsfaktoren, aber auch durch Klassenhierarchien, durch Interaktionsgeschehen im Schulzimmer, die sich durch die organisatorische Realität der Schule als Institution ergeben, zustande kommt.

 

Bedingungen der Schulschwäche    Erklärungsansätze

    

     Individiumorientierter Ansatz, hauptsächlich von einem medizinischen Modell ausgehend,

     wobei von einem in der individuellen Person lokalisierten „Defekt“ ausgegangen wird.

-   Biologischer Ansatz - Pubertät

-   Schulsoziologischer Ansatz, welcher  Schulschwäche als Konsequenz der Schule als soziale  

     Institution und ihrer Funktionen in der Gesellschaft sieht.

-   Schulschwierigkeiten als Resultat von sozialen Zuschreibungsprozessen (außerhalb der  

     Schule)

-   Eigengesetzlichkeiten des Schulsystems

-   Gesellschaftliche Ungleichheit

-   Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft  und Schulerfolg

 

Der soziokulturelle Aspekt - Kultur, Sprache und Herkunftsfamilie stehen in  Wechselwirkung. Sprache ist ein Bestandteil von Kultur, und der            Einfluss der Familie seinerseits kann nicht unabhängig von Sprache und Kultur gesehen werden. Dennoch scheint es mir sinnvoll, diese drei   Bestandteile analytisch voneinander zu trennen und einzeln in ihrer Wirkung auf den Schulerfolg oder den Schulmisserfolg von deutschen und ausländischen Kindern zu durchleuchten.

 

Biologischer Ansatz   –   Pubertät

 

Ja, was ist das denn?

Die Eltern haben auf einmal ein rebellierendes Kind vor sich, es probt den Aufstand. Es ist wohl seine einzige Aufgabe, seinen Eltern zu widersprechen und unsere Lebensauffassungen in Frage zu stellen, sie auch stellenweise abzulehnen.

Pubertierende tummeln sich in ihren eigenen Gedanken und Gefühlskosmos, statt ans Lernen zu denken. Sie sind abgelenkt, weil die hormonellen Schübe das Rationale zeitweilig blockieren.

 

Das Erwachsenwerden ist biologisch verbunden mit den Hormonen, z.B. das Schlafhormon Melantolin (vergl.Dr.C. Hanisch, hormonelle Schübe).  In der Pubertätsphase wird es verzögert gebildet.  Die Kids werden zu spät müde. Sie möchten spät ins Bett gehen und können dennoch nicht einschlafen. Resultat – sie gehen nicht ausgeschlafen zur Schule. Das Gehirn reagiert mit Konzentrationsstörungen. Es erlebt Wachstumsschübe, nicht immer kontinuierlich. Das ergibt unter diesen Umständen Gedankenchaos und Vergesslichkeit. Der unausgeglichene Hormonhaushalt führt zu Stimmungsschwankungen. Die Kids sind gereizt, sind bockig, lernen zu wenig. Die Forderungen der Eltern münden bei den Kids in Verweigerungshaltung.  

Die Schüler in den Haupt- .und Realschulen trifft es in den Abgängen der 9.und 10. Klassen (Pubertätszeit) am stärksten. Die Oberstufenschüler können sich durch die weiterführende Schulzeit über die Zeit der Pubertät hinaus wieder fangen. Rückliegende Lerndefizite können bis zum Ende ihrer Schulzeit noch aufgefangen werden.                            

 

Schulschwierigkeiten als Resultat von sozialen Zuschreibungsprozessen

 

Frühkindliche Entwicklung

Die frühkindliche Entwicklung muss geprägt sein durch emotionale Zuwendung und Vermittlung von kognitiven Lernanreizen.

Bei mangelhafter Vermittlung dieser Prozesse kann die Aufnahmefähigkeit beim Kind  bis zu 30% eingeschränkt sein, weil sie nicht abgefordert wurde.

Dieser Vorgang ist irreparabel. Für Eltern, die nicht fähig oder bereit sind, dem Kind diese Elementarprozesse zukommen zu lassen, ist es um so wichtiger, das Kind frühzeitig kostenlos

(zumindest bei minderbemittelten Eltern)  in Kinderkrippen oder Kitas unterzubringen, damit das Kind bessere Startchancen hat.

                                                                            

 

Die Bedeutung der Kultur für den Schulerfolg    -      Bedeutungsgehalt des Begriff Kultur

 

Die Gesamtheit der Verhaltensformen einer Gesellschaft, die durch Symbole über die 

Generationen hinweg übermittelt werden, in Werkzeugen und Produkten Gestalt

annehmen, in Wertvorstellungen und Ideen bewusst werden.

  

Die Gesamtheit der Verhaltenskonfigurationen (Gestaltungen) einer jeden sozialen Gruppe, 

gleich wie groß sie ist.

 

Die Gesamtheit der Symbolgehalte einer Gesellschaft (Religion, Kunst, Wissen usw.)

im Gegensatz zu ihrer materiellen Ausstattung.

                                                                        

Die Gesamtheit der sozial entworfenen und zugelassenen Formen der Triebbefriedigung,

ein wohl psychologisch orientierter Kulturbegriff.

                                                                              

Der Bereich der „hohen Kultur“, also der literarischen, künstlerischen, der geistigen

Leistungen im weitesten Sinne.

 

Kulturaspekte und Phänomene menschlichen Lebens ,wie Sprache, Kunst, Religion,

Regierungsformen usw..

      

Die historische Definition betont die Speicherung (Akkumulation) von Traditionen und nicht die Gesamtheit der kulturellen Erscheinungen. Die Zusammenfassung wird auch als

„kulturelles Erbe“ bezeichnet.

 

Grundlegende Begriffe (normative Definitionen) ergeben sich aus den Normen und Werten,

welche einer Gruppe eigen sind und deren Zusammenleben strukturieren.

 

Psychologische Definitionen betonen psychologische Aspekte einer Kultur wie Anpassung, Problemlösung, Lernen und Gewohnheiten. Kultur ist gelernt, sie erlaubt einer Gruppe, ihre Probleme zu lösen und aus erfolgreichen Problemlösungen heraus resultiert die Etablierung von Gewohnheiten.

 

Aus der Sozialisationsforschung ist bekannt, dass Menschen Techniken zur Konfliktvermeidung anwenden. Eine dieser Techniken ist die Trennung in Sozialisationsräume, also, der außerfamiliäre Rahmen mit der sich daraus entwickelnden sozialen Identität, bzw. die familiäre Sozialisation nicht zu beeinträchtigen. Durch diesen Prozess entsteht nur selten eine Orientierungs- oder Identitätsschwierigkeit bzw. kulturelle Zerrissenheit. Es ist anzunehmen, dass Immigrantenkinder - wie andere Kinder auch, wenn sie sich in verschiedenen Sozialisationsräumen befinden- einen dauernden sozialen und kulturellen Identitätswechsel vollziehen. Bikulturell aufwachsende Menschen leben nicht in zwei getrennten Welten. Es entwickelt sich aus der Erfahrung beider Kulturen eine Bereicherung. Identitätsbildung entsteht durch soziale Differenziertheit. Weniger Konfliktpotential ergibt sich aus festgelegten Rollen, deren Fähigkeit zu differenzieren

weniger vorhanden ist. Identitätsdiffusion beschreibt das Problem Migrations- und Kulturkonflikt als dauernde oder vorübergehende Unfähigkeit ihres Ich  zur Bildung einer Identität.

 

 „Identitätskonflikt“ ist ein Konstrukt, das nur schwer mit Inhalten gefüllt werden kann.

Strukturelle Definitionen stellen die Organisation einer Kultur in den Vordergrund. Die Aspekte einer Kultur werden im Gegensatz zu den beschreibenden (deskriptiven) Erklärungen zueinander in Beziehung gesetzt“ (Berry, Segall, 1992). 

 

„Der letzte Erklärungstyp setzt sich mit der Genese (Entwicklung) von Kultur auseinander und liefert Antworten:  Kultur entsteht entweder durch Anpassung an den Standort (Habitat) der Gruppe, durch soziale Interaktion  oder durch einen kreativen Prozess, der charakteristisch ist für die menschliche Spezies“ (Fuchs-Heinitz –1995).

 

 „Durch unterschiedliche Zugangsweisen wird die Schwierigkeit deutlich, Kultur verbindlich zu definieren. Auch in der Alltagssprache wird der Begriff der Kultur mit unterschiedlichen

Bedeutungsgehalten  versehen, verwendet. Oft ist damit Kunst, Literatur, Musik, Theater etc. gemeint. Probleme des Zusammenlebens von Angehörigen verschiedener Kulturen im Alltag

werden durch den Begriff der Kultur erklärt. Kultur wird hier als Sammelbegriff für andere Überzeugungen, Lebensweisen und Verhaltensformen verwendet“(Berry –1992).

                                                                       

Kultur stellt die Gesamtheit aller geistigen Lebensäußerungen einer menschlichen Gemeinschaft dar.  Als Motor kulturellen Fortschritts steht zunächst die Fähigkeit des Wissens, Kultur zu definieren und zu transportieren. Diese kulturelle Reflektion zeigt das Niveau der  Persönlichkeit auf.  Sie ist zugleich ein Anreiz, Kultur in Frage zu stellen, auch mit der Berechtigung, sie subjektiv zu interpretieren“ (H.Hinsch, Schriften zur Heimreform 1988).

 

 

Ausländerfeindlichkeit            Psycho-soz. Aspekt

 

Ausländerfeindlichkeit hat bei jungen Menschen, insbesondere bei Migrantenkindern nachhaltige Auswirkungen auf ihr Schul-Lernverhalten.

Außer der Wohn-Ghetto Unterbringung vieler Migrantenfamilien sehen sich jugendliche

rivalisierende Ethnien einer starken Distanz bis Feindseligkeit, ausgehend von der deutschen Bevölkerung, gegenüber. Es herrscht Angst, Isolierung und Ohnmacht vor. Die Reaktion ist Wut, Aggressivität und ein hoher Anteil an gewaltsamer Jugendkriminalität als Ausdruck ihrer Hilflosigkeit. Wer als Ausländerkind Hass und Ausgrenzung erlebt, muss schon sehr gefestigt sein, um im Schulunterricht erfolgreich zu sein.

 

 

 

 

Aus Platzgründen konnte ich hier nur die ersten 3 Seiten meines Manuskriptes aufführen. Bei Interesse bin ich gern bereit, die vollständige

Ausarbeitung von 15 Seiten weiterzuleiten.

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